Akademisches Blasorchester München

Programm 1996

Copland, Fanfare for the Common Man
Reed, The Music Makers
Copland, Suite aus "The Red Pony"
Fischer Tull, Sketches on a Tudor Psalm
*
Gregson, Tuba Concerto
Solo: Oliver Doneck
Sparke, Year of the Dragon

Leitung: Michael Kummer


Konzerte

1. März 1996, Aula des Gymnasiums Gilching
2. März 1996, Hotel Post, Bad Wiessee
3. März 1996, München, Kulturzentrum Gasteig, Carl-Orff-Saal
Beginn jeweils 20 Uhr


Kartenbestellung bei

Helge Dyk, Tel: (089) 66 11 44
oder Telefax: +49 89 66 47 81
oder via email
kummer@muc.de


Gedanken über die Werke im Programm ABO 1996

Im Programm 1996 kommen herausragende Kompositionen für Blasorchester aus USA und England zur Aufführung, diesmal ausschließlich Werke, die original für das Medium geschaffen wurden oder zumindest vom Komponisten selbst dafür bereitgestellt.

Dem ersten Teil vorangestellt ist die Fanfare for the Common Man von Aaron Copland, einem der wichtigsten Vertreter der zeitgenössischen Musik der Neuen Welt. Das kurze Werk entstand während des zweiten Weltkrieges als Auftragskomposition für das Cincinatti Symphony Orchestra, die in dieser Zeit ihre Konzerte mit einer Gedenkminute begannen, wozu die Fanfare erklang. Nicht weniger als 18 namhafte amerikanische Komponisten trugen dazu ihre Fanfaren bei, Copland hatte hierbei den "einfachen Mann, der an vorderster Front kämpft" im Sinne. Gleich noch ein Eröffnungsstück folgt in einer Art doppeltem Vorhang: die kurze Overture The Music Makers nach einem Gedicht von N.N. aus der Feder Alfred Reed's. Dieses im englischen Sprachraum sehr bekannte Gedicht diente Edward Elgar schon zu Beginn des Jahrhunderts als Vorlage zu einer vollständigen Kantate - Reed nimmt den ersten Hauptgedanken als Auslöser zu einem hinreissend schmissigen unaufhaltbar vorwärts stürmenden Auftakt: "We are the music makers, we are the dreamers of dreams"

Nun kommt Aaron Copland mit einem gewichtigeren Stück noch einmal zu Wort mit seiner eigenen Blasorchesterfassung der Orchestersuite The Red Pony aus der gleichnamigen Filmmusik, die auf Veranlassung von Efrem Kurtz, dem Leiter des Houston Symphony Orchestra 1948 entstand. Copland formte aus dem Material des Filmes insgesamt sechs Sätze, von denen er selbst - höchst singulärer Einzelfall - vier im Jahre 1966 für Blasorchester neu bearbeitete. Das bekannte Märchen von John Steinbeck ist einer Serie von Episoden über den 10jährigen Jody und dessen Leben auf einer Ranch in Californien. Die Geschichte bekommt ihre Wärme und gefühlsbetonte Art von den Charakterstudien von Jody selbst, dessen Großvater, dem Cowboy Billy Buck und Jody's Eltern, den Tiflins. Coplands Musik hat dementsprechend viele karikative Elemente, die sich mit Abschnitten großer lyrischer Tiefe abwechseln.

Zum Schluß des ersten Teiles folgt eines der wichtigsten Stücke des 1934 geborenen Amerikaners Fischer Tull, die Sketches on a Tudor Psalm von 1971. Dem Werk liegt eine bereits 1919 von Vaughan Williams in seiner Fantasia for String Orchestra verwendete Melodie aus dem 2. Psalm von Thomas Tallis aus dem 16. Jahrhundert zu grunde, welche noch heute in anglikanischen Gemeinden gesungen wird. Auf genialische Weise verarbeitet Tull die nach ihrer Vorstellung durch das Altsaxophon in ihre Bestandteile zerlegte wundervolle Melodie um sie gegen Ende des Werkes großartig in hymnischem Glanz wieder auferstehen zu lassen.

Edward Gregson, wohl der wichtigste Vertreter der jüngeren Komponistengeneration in Großbritannien, schrieb sein Tuba Concerto 1976 im Auftrag der Besses o th' Barn Brass Band für den leider so früh verstorbenen Tubisten John Fletcher, der mit dem Philip Jones Brass Ensemble weltberühmt geworden ist. Das dreisätzige Werk wurde schnell beliebt und zählt nach Einschätzung des Komponisten zu dessen am meisten aufgeführten Kompositionen. Es präsentiert ein eher ungewöhnliches Soloinstrument, die Baßtuba, auf höchst wirkungsvolle Weise, sowohl von ihrer technischen Brillianz wie auch von einer erstaunlichen lyrischen Aussagekraft.
Der Solist Oliver Doneck.........

Ein weiterer in seinem Heimatland höchst erfolgreicher und unentwegt aufgeführter Komponist bildet mit seinem dreisätzigen Werk The Year of the Dragon - Das Jahr des Drachen - den fulminanten Abschluß unseres diesjährigen Konzertes. Nicht mit China - wie der Titel zunächst vortäuscht - hat die Komposition zu tun, der Drache ist das Wappentier von Wales. Die dort ansässige weltberühmte Brass Band - die Cory Band - beauftragte Philip Sparke 1978 zu ihrem 100jährigen Jubiläum ein Bravourstück zu schreiben. Sparke kam diesem Wunsch gerne nach und das "Jahr des Drachen" wurde so erfolgreich, daß der Komponist es kurz darauf in einer alternativen Fassung für symphonisches Blasorchester nachreichte und damit seine Fähigkeit, effektvoll und substantiell für Bläser komponieren zu können nachhaltig dokumentierte. Erstaunlich sind die Farben, die Sparke dem Blasorchester entlockt und ebenso herausragend die Schwierigkeiten, die er den Ausführenden allesamt abverlangt. Stets jedoch kommt überschäumende Spielfreude zum Tragen.

Januar 1996 - mk