Akademisches Blasorchester München

Programm 2001

Carl Orff, Carmina Burana, Instrumental-Suite

Rolf Rudin, Der Traum des Oenghus, Teil 1 & 2

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Buxton Orr, John Gay Suite

Edward Gregson, The Kings Go Forth

Leitung: Michael Kummer


Konzerte

9. März 2001, Aula des Gymnasiums Gilching
10. März 2001, Hotel Post, Bad Wiessee
11. März 2001, München, Kulturzentrum Gasteig, Carl-Orff-Saal

Beginn jeweils 20 Uhr


Kartenbestellung bei

Helge Dyk, Tel: (089) 66 11 44
oder Telefax: +49 89 66 47 81
oder via eMail
mk@mkummer.de


»Fortuna Imperatrix Mundi« - einige Gedanken zum Programm
des Akademischen Blasorchesters München 2001

»Glück – oder besser: Schicksal – Beherrscher dieser Welt«. Unter diese drei Wörter stellte Carl Orff im Jahre 1937 seine bis heute bekannteste Kantate nach Texten einer mittelalterlichen Handschrift des Klosters Beuron mit dem Titel »Carmina Burana«. Wie ein rotes Band zieht sich dieser Gedanke durch die vier Werke der neuen Produktion des Akademischen Blasorchesters für das neue Jahrtausend. So stoßen im ersten Teil zwei Kompositionen aus Deutschland, im zweiten deren zwei aus England aufeinander, beide in je einem Spannungsfeld von historischer Quellenbearbeitung und historisierender Neuschöpfung angesiedelt.

Orff’s Carmina als erster Teil einer größeren Trilogie – zusammen mit Catulli Carmina und Trionfi di Aphrodite – verwenden keine der originalen Melodien, die sich in der berühmten Handschrift aufgezeichnet finden, sondern nur die Texte in Mittelhochdeutsch, Latein und Altfranzösisch. Die unverwechselbare Satztechnik des Komponisten schafft vornehmlich aus Sprachrhythmen das präzise gestaltete Material einer bis heute frisch und unmittelbar gebliebenen Musik. Kaum ein anderes Werk hat im letzten Jahrhundert von Anfang an derart Furore gemacht, wie die Carmina, kaum ein anderes zeitgenössisches Werk wird derart oft im In- und Ausland Jahr für Jahr gesungen und gespielt. Trotz der extremen Textbezogenheit der Komposition ist es dem Bearbeiter John Krance in Abstimmung mit dem Komponisten geglückt, eine überzeugende Instrumental-Suite daraus zu bilden. In ca. 17 Minuten entsteht so eine Kompakt-Fassung der instrumentalen Höhepunkte des Werkes, die in ihrer Aussagekraft und Farbigkeit ihres Gleichen sucht.

Den Gegenpol zu diesem Monument bildet des ebenfalls deutschen Komponisten Rolf Rudins musikalische Umsetzung einer alten irischen Sage »Der Traum des Oenghus«, ein zweisätziges Gebilde aus den Jahren 1993 bis 96. Musikalisch groß in zwei Abschnitten in insgesamt gut 20 Minuten angelegt, versteht es der Komponist seine Hörer in längst vergessene Zeiten zu entführen und eine faszinierende Klangwelt herauf zu beschwören. So schildert der erste Teil mit Geräuschklängen die zart-dunkle Traumwelt in ihrem nächtlich-geheimnisvollem Charakter. Daran anschließend entsteht durch eine mehrmalige Wiederholung eines misteriösen Gesanges ein großer, scheinbar nicht abbrechender Bogen, der wie in einer traumhaften Vorahnung die räumliche und vor allem zeitliche Länge der Suche nach dem Mädchen zu symbolisieren vermag. Der zweite Teil beleuchtet mehr die realeren Seiten der Sage und assoziiert gleich zu Beginn in seiner Wildheit die Irrungen und Wirrungen des Königssohnes Oenghus auf seiner Suche. Die apotheotische Stimmung des Schlussabschnittes taucht das erlösende B-Dur in die traumvisionären Geräuschklänge des Beginns und entlässt den Hörer in friedlicher „sagenumwobenener“ Stimmung.

John Gay fügte – gemeinsam mit dem deutschen Komponisten Johann Pepusch - im Jahre 1727 einige der bekanntesten Popular-Melodien der Epoche zu einem der größten Opern-Erfolge der Händel-Zeit in London zusammen und brachte sie unter dem Titel »The Beggar’s Opera« als eine hoch brisante Sozialkritik heraus. Viele Komponisten, darunter Benjamin Britten im Jahre 1948, haben die bis heute populären Melodien in eigenen Kompositionen verwendet. So auch der Engländer Buxton Orr im Jahre 1973, als er eine Anzahl wohlbekannter Themen der Oper zu einem viersätzigen Werk mit übersprudelnden Melodien und frischen, originalen Effekten zusammenfasste. Orr’s Klangsprache ist trotz oder gerade wegen der Verwendung alten und gängigen Tonmateriales sehr eigenständig und fasziniert vor allem durch seinen rhythmischen Einfallsreichtum. So steht das Werk in der besten Tradition von Meisterwerken wie Strawinski’s Pulcinella-Suite oder Hindemith’s Metamorphosen Webern’scher Themen.

Das letzte Werk des Konzertabend setzt sich mit William Shakespeare auseinander und ist eine Art musikalische Erlebniswelt schlechthin. Der englische Dirigent und Komponist Edward Gregson schrieb wiederholt Musik für die renommierte Royal Shakespeare Company in Stratfort-upon-Avon, Musik die er später, wie schon Guy Woolfenden vor ihm, zu Suiten zusammenstellte. »The King Goes Forth« entnimmt seine Musik der 1988 entstandenen Bühnenmusik zu der »Plantagenet Trilogy«, welche die Zeit der Regierung von Heinrich dem IV. bis zum Tode Richard des III. portraitiert, sowie der Bühnenmusik zu den beiden Teilen von Heinrch dem IV. In drei Sätzen spielt sich das Geschehen förmlich vor den Augen und Ohren des Zuhörers ab, die Ausführenden sind voll in das Hier und Jetzt des Theaters eingebunden. Szenen in der Kirche, dem Wirtshaus und dem Schlachtfeld werden beinahe real in Klängen dargestellt. Der instrumentale Aufwand ist groß: von zwei Vierergruppen Pauken und zusätzlichen „Off Stage“-Trompeten ausgehend, gibt es Auftritte von Solo-Sängern und Chor, sowie Solo-Violine, Tinn-Whistle und volkstümlichen Schlaginstrumenten. Die abschließende Krönungsszene mit dem großangelegten „Te Deum“ und darübergelegten Fanfaren gehört zum wirkungsvollsten, was bislang für große Blasorchester-Besetzung geschrieben worden ist.

MK – 11/00